Posts Tagged “Politik”

Wir haben heute eine Presseaussendung mit einer Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Tabakwerke Linz veröffentlicht.

Zusammenfassung:

  • Wir begrüßen die klaren Aussagen von SPÖ, ÖVP und den GRÜNEN, die Tabakwerke auch kulturell zu nutzen.
    In dem angedachten ExpertInnengremium zur Entwicklung der Tabakwerke sollen allerdings nur VertreterInnen aus Wirtschaft, Universität und Politik sitzen, der Kulturbereich wurde bisher nicht erwähnt.
  • Wir fordern die Einbindung von Künstlerinnen und Künstlern und von Kulturverbänden in das Entwicklungsgremium für die Tabakwerke. Die Stadt muss jene Menschen einbinden, die später die Tabakwerke beleben sollen, dies ist die einzige Möglichkeit, wie ein sinnvolles kulturelles Nutzungskonzept entwickelt werden kann.
  • Weiters fordern wir die Veröffentlichung der von der Stadt Linz in Auftrag gegebenen Studie, um die Entscheidungen der Stadt transparenter zu machen.

Langtext:

Seit Mai 2008 engagiert sich die Gruppe Kulturquartier Tabakwerke für eine Nutzung der Tabakwerke mit klarem kulturellen Fokus. Viele Briefe wurden geschrieben, Artikel und Interviews lanciert, Termine mit EntscheidungsträgerInnen wahrgenommen. Subventionsansuchen für die Entwicklung konkreter Konzepte wurden eingereicht.

Mittlerweile ist es fix, dass die Stadt Linz den Zuschlag erhält, offen ist lediglich der Kaufpreis.

Also stellt sich nun umso mehr die Frage, in welcher Form die Tabakwerke in Zukunft genutzt werden sollen. Letztes Jahr gab die Stadt Linz zur Beantwortung dieser Frage eine Studie bei Herren Dr. Robert Bauer, tätig bei der JKU Linz, in Auftrag. Diese wurde Ende Jänner der Stadt präsentiert und übergeben, und laut den Medienberichten und Interviews mit Stadtrat Johann Mayr kommt sie zu dem Schluss, dass eine kulturelle Nutzung sehr wohl möglich wäre – genauso wie eine Reihe anderer Nutzungsmöglichkeiten. Auch die Positionen der Parteien gehen in eine eindeutige Richtung:

„Die SP sieht die künftige Tabakfabrik vorwiegend als Stätte für Kultur und Bildung”
„Die Linzer VP will die Tabakfabrik, geht es nach Vizebürgermeister Erich Watzl, zum Kulturquartier mit Veranstaltungs-, Probe- und Büroräumen machen.”
“Auch die Linzer Grünen plädieren für eine kulturelle Nutzung – als Ergänzung zur nahen Kulturmeile mit Platz für die freie Kunstszene und für Schulen.”
(alles Zitate aus den OÖN vom 09.02.2009)

In dem angedachten ExpertInnengremium sollen nur VertreterInnen aus Wirtschaft, Universität und Politik sitzen, der Kulturbereich wurde außen vorgelassen.

Auf unseren Brief an Stadtrat Mayr, doch auch ExpertInnen aus dem Kulturbereich einzubinden, gab es keine Reaktion, auf telefonische Nachfragen wird nicht reagiert. In einem Gespräch mit Stadtrat Luger erfährt man, dass die Tabakwerke kommerziell verwertet werden sollen, wodurch er sich eine kulturelle Nutzung eher nicht vorstellen kann.

2009 will Linz Kulturhauptstadt sein, und sieht den Titel der europäischen Kulturhauptstadt sowohl als Auszeichnung, als auch als Startschuss für die zukünftige Entwicklung der Stadt. Doch wenn Linz eine Kulturhauptstadt bleiben will, so muss sie ihren großen Worten auch große Taten folgen lassen. Es müssen die Chancen begriffen werden, die die Ansiedlung von KünstlerInnen in einer Stadt bedeuten.

Wir haben nun viel in Ausstellungsräume und in Aufführungsräume investiert, doch wir lassen außer Acht, jene KünstlerInnen zu fördern, welche diese Räume einmal bespielen sollen.

Wessen Bilder sollen einmal im Lentos hängen, wenn niemand die Möglichkeiten hat, diese zu malen? Wer soll in der Stadtwerkstatt Konzerte spielen, wenn niemand einen Proberaum findet? Wieso müssen wir für Linz09 KünstlerInnen importieren, statt uns langfristig Gedanken zu machen, wie man die eigenen KünstlerInnen so unterstützen kann, dass sie selbst international gefragt sind?

Die Stadt Wien ist nicht zufällig zu einer Musikhauptstadt geworden – dies war das Ziel eines langen, über viele Dekaden hin vollzogenen Plan der Politik. Wo sind diese Pläne heute? Man kann und muss von der Politik einfordern, eben jene Perspektiven zu entwickeln und auch konsequent zu verfolgen.

Es muss die Grundlage für eine florierende Kunst- und Kulturszene geschaffen werden.

Es braucht Strategien, wie man die Abwanderung der kreativen Kräfte verhindern kann. Es braucht Perspektiven für die existierenden Künstlerinnen und Künstler und für jene jungen Talente, welche jedes Jahr an der Kunstuniversität ausgebildet werden, nur um nach ihrem Studium entweder fortziehen oder kunstferne Berufe ausüben zu müssen.

Und auch für jene KünstlerInnen, welche bereits in Linz leben und arbeiten. Im Jänner wurde die Studie zur sozialen Lage der österreichischen KünstlerInnen vom Kulturministerium veröffentlicht, und diese belegen die Missstände in jenem Bereich, der für Österreich identitätsstiftend ist. In der Kulturnation Österreich lebt ein großer Teil der KünstlerInnen unter der Armutsgrenze, muss sich mit Aushilfsjobs trotz durchschnittlich höherer Qualifikationen über Wasser halten.

Wir, und auch viele andere KünstlerInnen und Kulturschaffende bieten der Stadt Linz unsere Mitarbeit an.

Die Tabakwerke bieten die Chance, eine langfristige Perspektive zu entwickeln, doch dies kann nur funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen – und dafür muss die Politik zuerst die ansässigen KünstlerInnen in ihr Boot holen. Wir fordern die Einbindung von Künstlerinnen und Künstlern, von Kulturverbänden in die Entwicklungsgremien für die Tabakwerke. Die Stadt muss jene Menschen einbinden, die später die Tabakwerke beleben sollen, dies ist die einzige Möglichkeit, wie ein sinnvolles kulturelles Nutzungskonzept entwickelt werden kann.

Weiters fordern wir die Veröffentlichung der von der Stadt Linz in Auftrag gegeben Studie, um die Entscheidungen der Stadt transparenter zu machen.

Comments Kommentare deaktiviert